Freiwillige Feuerwehr Sülbeck
- seit 1936 -

Geschichte der Ortswehr Sülbeck


Es war einmal,


so fangen eigentlich Märchen an. Kein Märchen ist, dass es schon in alten Zeiten den vorbeugenden Brandschutz gab. In der „Land und Polizeiordnung“ von 1615 und der verbesserten Feuerordnung von 1730 wurden im Schaumburger Land Maßnahmen zur Brandverhütung und Brandbekämpfung erlassen. So war jeder Hausbesitzer verpflichtet, Einreißhaken und lederne Wassereimer bereitzustellen. Im Dorf musste ein Feuerlöschteich angelegt werden, und auf „Raths Unkosten“ mussten Leitern, Wassereimer und Fässer zum Wassertransport im Spritzenhaus gelagert werden. Bei Ausbruch eines Feuers hatten sich alle Einwohner, egal ob Mann oder Frau, an der Herbeischaffung von Löschwasser zu beteiligen.


In Sülbeck waren Löschteiche im Stiege und an der heutigen Sülbeckerstraße. Die ersten Aufzeichnungen über ein Spritzenhaus datieren vom 19. Mai 1809. Damals stellte der Schmied Fasse den Antrag, das Spritzenhaus zu versetzen, um auf dem Spritzenbrink (Ecke B 65 – Kirchhorster Straße) ein Wohnhaus mit Schmiede zu errichten. Am 16. Oktober 1809 wurde es ihm genehmigt mit der Auflage, er solle auf dem Steinbrink zu Sülbeck ein neues Spritzenhaus so aufstellen, dass die Pferde im Haus vor die Spritze gespannt werden könnten. Also hatten wir in Sülbeck schon um diese Zeit eine pferdebespannte Spritze.


Aus dem Dezember 1872 fand ich ein Sitzungsprotokoll des Löschverbandes Sülbeck. Diesem Verband gehörten die Gemeinden Sülbeck, Südhorsten, Kirchhorsten, Helpsen und später Rösehöfe an.

Unter I ist in dem Protokoll das Löschgerät aufgeführt:


1. Die Fahrspritze steht in Sülbeck2. Die Handspritze hat ihren Platz in Südhorsten3. Wasserkübel sollen angeschafft und in Sülbeck eingestellt werden.


Unter VIII wird die Alarmierung im Brandfall bestimmt:

In Sülbeck läuten die Kirchenglocken, in den anderen Orten wird mit dem Horn geblasen.

Auch gab es für den Fuhrmann, der als erster mit einer Spritze aus einem anderen Ort an der Brandstelle eintraf, eine Geldprämie.


Am 4. Juni 1873 hat der Gemeindevorsteher C. Bruns das fürstliche Landratsamt in Bückeburg ersucht, den Bau eines neuen Löschgerätehauses an der Straße nach Kirchhorsten zu genehmigen. Diese Genehmigung wurde am 4. Juli 1873 erteilt. Das Haus wurde 102 Jahre von der Feuerwehr Sülbeck genutzt.


Doch zur Feuerwehr gehören auch eine tüchtige Mannschaft. Ein Verzeichnis von 1893 sagt aus, dass wohl aus jedem Haus die tauglichen Männer zur Pflichtfeuerwehr gehörten. Eingeteilt waren die Mitglieder in verschiedenen Abteilungen, wie z.B. Pumpers, Wachleute, Rettungsmannschaft sowie reitende Boten nach Bückeburg und Nienstädt. Brandvorsteher war zu der Zeit Buer Nr. 10.


Dem Allgemeinen Trend folgend begann man auch in Sülbeck mit der Aufstellung einer Freiwilligen Feuerwehr. Anfang November 1936 lud Bürgermeister Schönbeck alle männlichen Einwohner in den Sülbecker Krug ein.


Der „General – Anzeiger“ Stadthagen dokumentierte am 12. November 1936 die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Sülbeck mit folgender Veröffentlichung:


Sülbeck, 12. Nov. (Freiwillige Feuer –

wehr.) In der letzten Woche war im Saale des

Sülbecker Krugs eine vom Bürgermeister Schön-

Beck auf Anordnung des Landratsamts einberufene

Versammlung zwecks Gründung einer Freiwilligen

Feuerwehr. Da Sülbeck über eine genügende

Zahl männlicher Personen verfügt, waren nur die

Männer der Jahrgänge 1896 – 1918 eingeladen

Und auch zum allergrößten Teil erschienen. Nach-

dem Kreisbranddirektor Harting / Bückeburg

mit dem Vertreter des Landratsamts und 2 weiteren

Herren der Feuerwehr eingetroffen und begrüßt

War, wurde der Versammlung von Herrn Harting

der Sinn und Zweck der Freiwilligen Feuerwehren

im heutigen Staat klargelegt. Der Vertreter des

Landratsamts sprach dann über die gesetzlichen

Grundlagen der durch das ganze Reichsgebiet

gehenden Neuorganisation des Feuerlöschwesens.

Insgesamt haben sich gemeldet in Sülbeck 34 und

In Rösehöfe, welches mit eingegliedert ist, noch 12

Personen, so das mit den besten Hoffnungen der

Zukünftigen Feuerwehr und ihrer Arbeit entgegen –

Gesehen werden kann.  



Zum Brandmeister wurde E. Stein Nr. 1 gewählt.

Leider sind Aufzeichnungen aus dieser Zeit nicht vorhanden, daher muss ich mich auf Berichte der Männer aus der Gründerzeit beschränken.

Der Dienst fand im Sommer 14-tägig auf dem Sportplatz statt. Großer Wert wurde dem Exerzieren beigemessen, erst danach stand die Ausbildung am Gerät auf dem Programm. Schneidermeister W. Köller fertigte 1936 Uniformjacken an, damit die Löschgruppen ein einheitliches Bild abgaben.

In der Kriegszeit taten viele Männer der Gemeinde als Soldat Dienst. Um den Feuerschutz in dieser kritischen Zeit aufrecht zu erhalten, hat man 1941 eine Jugendgruppe ins Leben gerufen. 13 Jungen im Alter von 14 bis 16 Jahren sind von Ernst Möller ausgebildet worden; sie hatten ihre Kenntnisse bei einer Prüfung durch den Kreisbrandmeister zu beweisen.

1941 hielt auch die Motorisierung Einzug in der FF Sülbeck. Eine DKW – Tragkraftspritze (TS) im Anhänger (TSA) wurde uns zugeteilt. Brandmeister waren in dieser Zeit der spätere Kreisbrandmeister K. Struckmann und danach H. Dehne Nr. 29.

Aus den ersten Nachkriegsjahren war nicht viel in Erfahrung zu bringen. Die Protokolle beginnen am 26. Januar 1950.

An diesem Tag ist erneut ein Anlauf unternommen worden, den Dienstbetrieb und Brandschutz in ordentliche Bahnen zu lenken.

Von da an ging es bergauf.

Die Versammlung wählte Ernst Möller als Brandmeister. Nötiges Gerät wurde nach und nach angeschafft. Die alten Löschverbände waren aufgelöst, dafür gehörten die Sülbecker zum Unterkreis II des Landkreises Schaumburg – Lippe.

An den Wettkämpfen im Jahr 1952 konnten schon zwei Gruppen mit Erfolg teilnehmen. 1958 installierte man auf dem Dach der Sparkasse eine Alarmsirene; damit hatte das alte Feuerhorn ausgedient.

Die Technisierung machte immer größere Fortschritte. 1960 kam der Gemeinderat, nach längerer Beratung, dem Wunsch der Kameraden nach und übergab der Sülbecker Wehr einen VW –Transporter mit Tragkraftspritze (TSF-T). Ein stolzer Tag für die aktive Wehr.

Es gibt nicht nur stolze Tage im Leben eines Feuerwehrmannes, auch harte Arbeit gehört dazu. Ob die Kabinen der Sülbecker Badeanstalt, der Hof Klostermann, die Glasfabrik Heye, die Scheune Stein, das Sägewerk Kambach, die Garagen Diekmann, der Tankzug am Georgschacht, die Scheune Mevert, die Müllkippe in Liekwegen oder ein Spänebunker der Firma Schulze und Weise in Nienstädt brannten, immer waren die Männer der FF Sülbeck zur Stelle, um in selbstloser Weise zu helfen.

Heute haben sich, im Gegensatz zu den Anfangszeiten, die Einsätze der Wehren mehr auf die Seite der „Hilfeleistungen“ verlagert.

Sei es bei starken Regenfällen Keller leer pumpen, Ölspuren auf Straßen und Wasserläufen unschädlich machen, Wespennester beseitigen, Pferd einfangen oder Hilfe bei schweren Verkehrsunfällen leisten.

Diese Liste kann man beliebig fortsetzen. Die Kameraden der Feuerwehr sind in vielen Übungsstunden und Einsätzen die „Männer für alle Fälle“ geworden.

Um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, erhielt Sülbeck 1975 ein neues Feuerwehrhaus und 1978 ein Löschfahrzeug vom Typ LF 8. An Bord sind außer Löschgerät auch Preßluftatmer, Stromerzeuger, Flutlichtscheinwerfer, Sprechfunk und eine Rettungsschere für Autounfälle.

Erschien vielen Leuten diese Ausrüstung zu großartig, so sei bemerkt, dass zum Beispiel von 1978 bis 1985 schon drei Unfallopfer mittels Rettungsschere aus ihrer bedrängten Lage befreit werden mussten.

Brandbekämpfung ohne schweren Atemschutz ist bei den modernen Baustoffen nicht mehr denkbar.

Inzwischen war auch die Gebietsreform nicht spurlos an den Wehren vorübergegangen. Nach Gründung der Samtgemeinde Nienstädt wurden 12 Feuerwehren, unter Wahrung ihrer Selbstständigkeit, in diesem Gebiet zusammengefasst. Eine davon ist Sülbeck.

Zum Samtgemeindebrandmeister wurde W. Völkening (Schierneichen), gewählt.

Sein Stellvertreter ist Heinz Feußner aus Sülbeck.

Den höheren Anforderungen musste nicht nur das gerät angepasst werden, auch die Mannschaft wurde in vielen Übungsdiensten auf den Ernstfall vorbereitet. Um drohenden Nachwuchssorgen vorzubeugen, haben wir bei Jugendlichen das Interesse am Feuerlöschwesen geweckt. Am 15. April 1972 begannen zehn Jungen ihren Dienst in der Jugendgruppe (Offizielles Gründungsdatum 1. Mai 1972).

Im Laufe der nächsten Jahre kam aus den Reihen dieser Gruppen gut ausgebildeter Nachwuchs für die aktive Wehr.

Im Winter 1981 / 1982 bauten wir uns einen Schulungsraum im Dachgeschoss des Bauhofes aus. Sanitäre Einrichtungen sind in der unteren Etage vorhanden.

Wir können jetzt unser Feuerwehrhaus als optimal bezeichnen.

In der Jahreshauptversammlung vom 5. März 1983 schied Heinz Feußner nach 18-jähriger erfolgreicher Tätigkeit als Brandmeister aus. Sein Nachfolger wurde Dieter Teubert, Stellvertretender Rainer Feußner.

Auf Samtgemeindeebene war es erforderlich, neben Kirchhorsten noch eine Stützpunktwehr zu schaffen. Die Wahl fiel auf Sülbeck.

Bestimmungsgemäß muss bei einem Stützpunkt ein Sonderfahrzeug vorhanden sein.

Aus diesem Grund erhielt Sülbeck einen Gerätewagen mit Zusatzbeladung für Ölunfälle (GW-Z Öl).

In den weiteren Jahren stiegen die Einsatzzahlen mit dem Schwerpunkt: Technische Hilfeleistung (Vornehmlich Verkehrsunfälle)

Anfang Februar 1989 endete die Amtszeit von Dieter Teubert als Ortsbrandmeister.

Sein Nachfolger wurde Rainer Feußner und Eckhardt Ilsemann sein Stellvertreter.


In den folgenden Jahren waren ein paar Großeinsätze zu verzeichnen.

Die Mülldeponie in Liekwegen  zum Beispiel, bei deren Brand nicht nur die ganzen Feuerwehren der Samtgemeinde über 24 Stunden nonstop im Einsatz waren, sondern auch Kameraden aus Stadthagen, Rinteln und sogar ein 8000 Liter Flugfeldtanklöschfahrzeug vom Heersflugplatz in Achum. Der Hausbrand, Sülbecker Straße Ecke Ostpreußenweg (Scherf) Ein Brandstifter der im unserer Gegend, sein Unwesen trieb.Leider stiegen auch die Verkehrsunfälle.

Auf der Jahreshauptversammlung 2004 gab es im Kommando wieder einen Wechsel. Eckhard Ilsemann gab seinen Posten als stv. Ortsbrandmeister auf. An seiner Stelle trat Rüdiger Seifert, der sein Amt im Februar 2010 an Gerd Mevert weiter gab.

Für Ölspuren auf Straßen werden in unserer Samtgemeinde nicht mehr die Feuerwehren alarmiert. Eine in unserer Gemeinde ansässigen Firma mit spezial Gerät wurde diese Arbeit übertragen, was die Einsatzzahlen fallen ließ.

Aber auch Alarmierung zu Einsätzen über unsere Samtgemeindegrenzen hinaus sind zu verzeichnen. So beim Brand der Mülldeponie in Sachsenhagen und die Alarmierung im Rahmen der Kreisfeuerwehrbereitschaft, bei der einige Kameraden mit dem 2 Zug der KFB Süd in den Bereich Hildesheim während eines Hochwassers eingesetzt worden sind.




Mit Dank an Walter Korf für seine Recherche und Übersetzung der Texte aus dem Altdeutschen.